Der Prinz mit den magischen Augen
Gute Freunde

Es war einmal ein junger Mann, der lebte bei einer alten Frau in einem grossen Wald im Lande Kalondro. Die alte Frau hiess Sarina und hatte den jungen Mann als kleines Kind bei sich aufgenommen, da Friko, so hiess der junge Mann, in einem Körbchen unter einem Baum lag und weinte. Sarina hatte schon bald bemerkt, das Friko ein besonderes Kind war. Die Tiere im Wald taten ihm nichts zu Leide, es war sogar so, dass sie ganz zutraulich zu ihm kamen. Er sah sie nur mit seinen wunderschönen Augen an, die so klar und blau waren wie die tiefste See und dann hatte kein Tier mehr Angst vor ihm. Oder ein Tier, das ihn angreifen wollte, sah er nur an, und es stand wie hypnotisiert und wurde ganz zahm und lieb. Friko wuchs bei Sarina auf und wurde grösser und älter, stark und klug, denn Sarina lehrte ihn alles was sie wusste. Über den Wald, die Tiere, sie verstand etwas von der Heilkunst und vom Meer. Das aber kannte Friko nur aus den Erzählungen der alten Frau, denn das Meer war sehr weit weg. Als junger Knabe suchte er im Wald nach Holz und sollte für Sarina auch junge Weiden mitbringen.

Aus den Weiden flocht Sarina nämlich Körbe und verkaufte sie auf dem Markt im Königreich Seguon. Vom Geld der verkauften Körbe brachte Sarina, dann immer die Sachen mit, die sie weder im Wald noch in ihrem Garten hatte. Sarina hatte einen schönen Garten. Es wuchsen dort viele schöne Blumen. Aber auch Gemüse und Salat und Kartoffeln hatte die alte Frau angepflanzt.
Deshalb mussten die beiden auch nie hungern. Nur ein paar Meter von ihrem Häuschen entfernt, floss ein klarer Fluss, und so mussten sie auch nie dürsten. Ausserdem hatte Sarina auch noch zwei Kühe, und somit Milch und Käse, und einige Hühner. Als Friko wieder im Wald Holz sammeln ging, fand er ein kleines Rehkitz, das ganz versteckt zwischen Büschen und Sträuchern sass.

Da er wusste, dass seine Mutter nicht weit sein konnte, sah er sich um und versuchte sie zu entdecken. Aber solange er schaute, er fand die Mutter nicht. Da ging er noch ein Stück tiefer zwischen die Büsche und zwängte, sich durch Ranken und Sträucher. Er fand in einer Mulde die Rehmutter mit aufgerissenem Hals. Ein Wolf oder wilder Hund, musste die Mutter angefallen haben. Das Kitz tat ihm so Leid, dass er es kurz entschlossen mit nach Hause nahm. Als Friko mit dem Kitz auf dem Arm nun Daheim war, fragte Sarina vorwurfsvoll: "Aber Friko wieso bringst Du das Tier mit, seine Mutter wird es suchen und hier geht das arme Kitz ein." Friko erwiderte: "Mutter, ich bin doch kein kleines Kind mehr, ich weiss, das ich ein Rehkitz nicht mitnehmen darf. Dies Kleine aber hat seine Mutter verloren, sie wurde von einem Wolf angefallen. Ich fand sie mit aufgerissener Kehle." "Alles schön und gut, aber was willst Du mit dem Tier machen. Es braucht die Milch seiner Mutter noch. Es wird sich nie von Dir füttern lassen." Friko sieht seine Mutter mit traurigen Augen an: "Ich weiss, aber ich konnte das arme Tier nicht im Wald lassen, ich muss es eben versuchen." "Da hast Du Dir eine schwere Arbeit aufgelastet, aber versuche es immerhin. Die beiden Kühe geben genügend Milch, sodass auch das Kitz genügend abbekommt, falls es überhaupt davon trinkt."

"Ich wusste doch, dass Du nicht lange böse sein kannst, aber jetzt will ich gehen und die Kuh melken." "Hast du schon einen Namen für Dein Kitz oder wie willst du es später mal rufen, wenn es überleben sollte?" ruft Sarina Friko hinterher, der lacht nur: "Beim Melken wird mir schon was einfallen." Damit ist er draussen und geht zum Stall. Dort begrüsst er die beiden Kühe mit den Worten: "Hallo Schwarze, hallo Braune, ich brauche ein bisschen Milch für meinen neuen Freund." Die Kühe sind nämlich eine Schwarzgefleckte und eine Braungefleckte.

Deshalb hatte Friko als er alt genug zum Sprechen war, die beiden immer so gerufen, wenn er mit Sarina und später allein, die Kühe auf die Weide geführt hat. Bei diesen Namen ist es dann auch geblieben und selbst Sarina ruft sie so. Als er nun so beim Melken ist, denkt er darüber nach, wie man das Kitz nennen könnte. Es will ihm nichts einfallen, und so geht er mit der vollen Schüssel Milch hinaus zu dem Reh, dass in einer Art Nest liegt.

Friko hat alte Kleider und Gras und Wolle zusammengetragen und daraus dieses Nest gebaut, damit das Kitz warm und weich liegt.Er setzt sich vor das Reh und überlegt wie er wohl am besten vorgehen könnte, das Kleine zu füttern. Friko spricht mit sanften Worten zu ihm, um es nicht zu erschrecken: "Du schaust mich mit deinen braunen Augen an, und ich weiss nicht wie ich dich füttern soll. Also wirst du schon selber trinken müssen." Er hält mit der einen Hand die Schüssel mit der Milch vor das Mäulchen des Kleinen und krault mit der anderen Hand das Tier hinter den Ohren und am Hals.

Da macht das Reh einen Satz, steht auf allen Vieren, zwar etwas wackelig, und streckt seinen Kopf Fricko entgegen Der ist so erschrocken, dass er die Milch verschüttet und nach hinten umfällt. Die Milch läuft ihm dabei über Gesicht und Hals.Das Kitz stakst wackelig auf ihn zu und schleckt Friko Gesicht und Hals ab. Friko lacht: "He, so geht das aber nicht, hör mal auf.Du kannst mir nicht immer die Milch aus dem Gesicht lecken." Dabei versucht er das Kitz von sich weg zu schieben, um aufstehen zu können, aber das ist hartnäckig und hört nicht eher auf bis alles sauber ist. Sarina durch das Lachen nach draussen gelockt, sieht die Bescherung und meint lachend: "Na, ich glaube, aus dem Kleinen wird ein richtiges Schleckermaul."

Da dreht sich Friko zur alten Frau um und ruft: "Jetzt habe ich wenigstens einen Namen, Schleckermaul, das passt." Damit nimmt er das Rehkitz, trägt es zum Fluss und lässt etwas Wasser über den Kopf des Tieres laufen. "Hiermit taufe ich dich Schleckermaul." Wie zur Bestätigung leckt sich der Kleine die Wassertropfen aus dem Gesicht. Damit stellt Friko Schleckermaul auf den Boden und geht zurück. Schon etwas sicherer auf den Beinen folgt das Kitz hinterher. "Nun das Problem scheint gelöst, aber wir brauchen immer noch Holz und Weiden, Friko. Beeile dich und geh´ noch mal in den Wald, um beides zu holen. Es wird langsam dunkel und dann wird es zu gefährlich." "Aber Mutter, Du weisst doch, mir passiert nichts. Ich beeile mich aber und bin gleich zurück." So geht der Tag zu Ende. Alles geht seinen Gang, die Jahre gehen dahin und Friko wird älter und auch Schleckermaul, das keinen Meter von seiner Seite weicht, wird grösser. Die beiden sind eigentlich den ganzen Tag zusammen. Eines Tages gibt es wieder neuen Ärger. Als Friko eines Morgens erwacht und nach draussen geht und nach Schleckermaul sieht, denn dieser hat vor dem Haus einen eigenen eingezäunten Flecken. Dort steht noch immer das Nest, in dem er seit dem ersten Tag schläft. Friko kommt also nach draussen und will Schleckermaul aus seiner Umzäunung lassen, da hört er über sich einen Schrei. Als er nach oben in den Himmel sieht, fliegt dort in grosser Höhe ein Raubvogel.

Sofort hat Friko Angst um sein Findelkind. Der Vogel schraubt sich langsam tiefer, da nimmt Friko einen dicken Ast um sich zu verteidigen, falls der Vogel angreifen sollte. Er fängt laut an zu schreien, um den Vogel zu vertreiben, denn er will ihn eigentlich nicht verletzen. Der Adler, denn nun erkennt man schon, was es für ein Raubvogel ist, streicht über das Haus hinweg und dreht ein paar Kreise über Friko, kommt aber nicht tiefer und greift auch nicht an, sondern dreht wieder ab. Friko atmet erleichtert auf: "Gott sei dank musste ich dieses schöne herrliche Tier nicht töten." Denn der Adler war ein wirklich ausgefallen, schönes, grosses Tier. Sarina kommt, sie war gerade im Garten hinterm Haus, und sieht Friko mit dem Knüppel stehen und über den Wald Richtung Berge sehen. "Was war denn schon wieder los? Warum hastd du denn so geschrieen?" "Oh, da war gerade ein riesiger Adler, der über unser Haus strich, und ich dachte er suchte ein Frühstück und wollte Schleckermaul mitnehmen."
Sarina blickt nachdenklich in Richtung der Berge und entgegnet: "Tja, der letzte Winter war sehr kalt und hart. Vielleicht hatte er noch nicht genug in den Bergen gefunden, um seinen Nachwuchs gross zu ziehen und ist deshalb soweit geflogen." "Glaubst du wirklich er war auf Jagd, um Fressen für seine Jungen zu beschaffen?" "Nun ja, jedes Wesen, ob nun Mensch oder Tier sorgt dafür, dass seine Art nicht ausstirbt. Also muss auch dieser Adler für Nachwuchs sorgen." darauf hin mit einen Seufzer der Erleichterung entgegnet Friko: "Da bin ich aber froh, dass ich ihn nicht verletzten oder töten musste." "Richtig mein Sohn, man soll Natur und Leben achten, und nicht unnötig oder aus irgendwelchen Gründen töten, wenn es vermieden werden kann." Damit war das Gespräch der beiden beendet und jeder ging wieder seiner Arbeit nach. Sarina in ihren Garten, Friko in den Wald, um Holz und Binsen zu holen. Aber seine Gedanken kreisten immer noch um dieses schöne Tier. Doch auch dieser Tag ging zu Ende und der Adler war bald vergessen. Bis zu jenem Tag, als beide mal wieder auf dem Markt ins Königreich Seguon gleich hinter dem grossen Wald fuhren.
Das Königreich lag wie gesagt hinter dem Wald in einem weiten Tal vor dem grossen Gebirge, in dem der Adler zu Hause war. Am Morgen als sie los fuhren, wurden wie immer die beiden Kühe vor den kleinen Wagen gespannt, in dem Sarina immer ihre Körbe lud, auf dem Markt verkaufte und Waren, die sie brauchte wieder mit nach Hause nahm. Friko war jetzt schon fast ein Mann mit seinen 17 Jahren, und Sarina fand es an der Zeit, dass er unter Menschen kam und ein anderes Leben kennen lernte, als das einsame Eremitendasein, das die beiden führten. Da Sarina und Friko mehrere Tage im Königreich Seguon verbringen wollten, mussten sie die Hühner freilassen und auch Schleckermaul konnte nicht mitgenommen werden. Der würde zwar am Anfang noch hinterher laufen, aber sicher, wenn Friko ihn zurückschickte, beim Haus warten. Zu Fressen war genug da, und so konnte Schleckermaul auch nicht verhungern.
Der Weg war sehr lange, da sie ja nicht mit dem Wagen durch den Wald, sondern aussen herum fahren mussten. Nach einigen Tagen waren sie dann in der Stadt auf dem Markt und mussten sich zuerst eine Stelle für die Nacht suchen, wo sie unterkommen konnten. Sarina war schon lange nicht mehr in der Stadt gewesen. Die Stadt war sehr gross geworden und ausserdem schien es, als würde eine Festlichkeit vorbereitet werden. Als Friko einen der Stadtleute darauf ansprach, entgegnete der: "Wo kommt Ihr denn her, wohl von sehr weit, dass Ihr nicht wisst, dass in 7 Tagen die ältere Tochter des Königs heiratet. Und während dieser 7 Tage findet ein Fest statt, bei dem es Ritterspiele gibt, Komödianten sind in der Stadt und ein Zirkus." "Ein Zirkus?" Friko sieht den Mann fragend an: "Was ist das?" "Junger Mann, weisst Du nicht was ein Zirkus ist. Da gibt es Bären und wilde Tiere, Artisten, usw." "Vielen Dank", entgegnet Friko und geht nachdenklich zu Sarina zurück. "Mutter können wir solange hier bleiben bis zur Hochzeit der Prinzessin?" Sarina entgegnet lachend: "Natürlich, Du kannst Dir alles ansehen. Meine alten Knochen tun mir weh, da ist es mir Recht, wenn ich etwas ausruhen kann und nicht gleich wieder in dem alten Karren fahren muss. Ich zeige Dir noch wo wir wohnen und schlafen werden, und dann kannst Du gehen wohin Du willst. Du bist alt genug, aber pass auf, das Leben hier ist etwas anders als bei uns. Nach der Hochzeit der Prinzessin fahren wir dann wieder zurück. Ich werde die Körbe auf dem Markt verkaufen und eine alte Freundin von mir besuchen." "Danke Mutter, dann kann ich mir auch den Zirkus ansehen von dem der Mann sprach." Da lachte Sarina: "Ja es wird wirklich Zeit, dass Du unter Menschen kommst; wie lange ist das schon her, ein Zirkus. Hier hast Du noch etwas Geld und dann sehen wir uns heute Abend." Sarina machte sich keine grossen Sorgen um ihren Sohn. Sie hatte ihn zu einem guten und ehrlichen Menschen erzogen und war stolz auf ihn, obwohl er nicht ihr eigen Fleisch und Blut war. Hier in der Stadt konnte nicht viel passieren.
Die Stadt und auch das Königreich wurden von einem guten König regiert. Es gab keinen Krieg und somit auch keine Feinde, die Friko etwas hätten antun können. Sarina ging auf den Markt und erledigte ihre Geschäfte und Friko sah sich alles an. Die beiden sahen sich nur abends bevor sie ins Bett gingen. So gingen einige Tage vorüber ohne besondere Vorkommnisse. Friko sah sich die Stadt und den Markt, die Umgebung und auch den Zirkus an. Nach drei, vier Tagen als Friko alles gesehen hatte, und wieder mal den Wald, die freien Felder und die Natur vermisste, ging er aus der Stadt Richtung Berge.
Ausserhalb der Stadt sah man die Berge schon näher und man wurde sich jetzt erst richtig klar darüber, wie gross und hoch sie waren. Friko wanderte durch ein kleines Wäldchen, an einem Bach vorbei und kam dem grossen Berg immer näher. Plötzlich hörte er hinter sich ein zorniges, wütendes Bellen. Als er sich langsam umdrehte stand vor ihm ein wilder Hund, der ihn böse ankläffte. Friko aber blickte dem Tier fest in die Augen und dieses zog den Schwanz ein, und ging dann geduckt zurück. Friko ging ihm langsam nach und sprach auf ihn ein: "Keine Angst, ich will Dir nichts tun. Hast Du Hunger, leider habe ich nur noch eine Scheibe mit Käsebrot bei mir." Worauf er vorsichtig dem Hund einen Brocken davon hinwarf. Der Köter knurrte noch leise vor sich hin, stürzte sich dann aber auf den Brocken. "Hier hast Du noch mehr", spricht Friko weiter zu dem Hund.

Der frisst alles auf und dreht sich um und verschwindet. Friko zuckt nur mit den Schultern und läuft weiter. Der Berg zog ihn magisch an und auch der Adler, an den er jetzt wieder denkt. Plötzlich hört er hinter sich wieder ein leises Knurren.
Der Hund war ihm im grösseren Abstand gefolgt. "Ich habe nichts mehr für Dich Du Racker. Verschwinde und lass mich in Ruhe." Aber der Hund lässt sich nicht verscheuchen, so sagt Friko: "Dann eben nicht, dann komm halt mit mir." Es ging schon auf den späten Nachmittag zu und so sprach Friko zu sich: "Mutter wird sich bestimmt Sorgen machen, aber zurück schaffe ich es nicht mehr, es ist schon zu spät. Ich muss mir einen Unterschlupf suchen. Kalt ist es nicht, und so gehe ich dann morgen gleich zurück." Bei diesen Worten war der Hund sehr nahe heran gekommen und schaute zu Friko auf, als hätte er ihn verstanden. Friko sieht sich nun nach einem Baum um, unter dem er schlafen kann. Etwas Moos als Unterlage, ein bisschen Laub zum Zudecken und schon war Friko eingeschlafen. Am nächsten Morgen als er aufwachte hatte er das Gefühl nicht allein zu sein. Und richtig als er neben sich fasste, fühlte Friko ein weiches Fell. Er schlug die Augen auf und sah den Hund eingerollt neben sich schlafen. "Na Du bist mir ja einer. Erst mich anknurren, dann mein Brot auffressen und jetzt noch warm gehalten werden über Nacht. Du bist wirklich ein Racker. Wie gefällt Dir der Name?" Mit diesen Worten ist auch der Hund auf den Beinen und bellt Friko freudig an. "Also gut, nenne ich Dich von nun an Racker, und wenn wir zurück sind, werde ich Dich erst mal ordentlich waschen und bürsten, Du siehst unheimlich struppig aus." Da fällt Friko mit Schrecken ein: "Meine arme Mutter, was wird sie sich Sorgen machen. Aber ich werde mich gleich auf den Weg machen und dann bin ich bis heute Mittag zurück." Er läuft also los und will durch den Wald zurück laufen.
Doch da stösst plötzlich aus heiterem Himmel der Adler auf Friko und Racker herab. Friko ist so erschrocken, dass er anstatt in den Wald zu rennen, auf das offene Feld flieht. Als er seinen Fehler einsieht, ist es zu spät. Die Angriffe des Vogels erfolgen nun vom Wald aus und treiben Friko immer weiter auf die Berge zu. Bis er plötzlich einen kleinen Waldstreifen sieht, der ganz dicht an die ersten Ausläufer der Felsen gelehnt ist. Dort stehen riesige Bäume, die so hoch sind, dass Friko schwindelig wird, als er nach oben sieht. Aber die Rettung ist da, unter den Bäumen kann der Adler die beiden nicht weiter angreifen, sie sind durch das Laub und das Unterholz geschützt. Hier lehnt sich Friko an einen Baum und holt Atem. "Das war knapp", sagt er zu Racker. "Aber was machen wir nun. Zurück in den Wald dort drüben können wir nicht. Da sieht uns der Adler gleich wieder. Warten wir erst mal ab, vielleicht fliegt er ja bald weg um zu jagen." Als dann der Mittag vorbei ist und es auf den Nachmittag zugeht, schaut Friko vorsichtig zwischen den Bäumen durch und versucht den Adler auszumachen. Doch keine Spur von dem Raubvogel. "Was mache ich nur", denkt Friko bei sich, "ewig hier bleiben kann ich nicht, ich muss zurück. Vielleicht sollte ich versuchen unter den Bäumen hier entlang zu gehen um näher an den grossen Wald zu kommen, und muss nicht über das freie Feld." Also marschieren Friko und Racker los. Eine Zeitlang liefen sie so weiter, bis Friko glaubt Schreie oder Gekreische zu hören. Beim Weiterlaufen wird der Krach lauter, bis er merkte, dass es sich um die Schreie von Adlern handelte. "Deshalb war der Adler so angriffslustig. Seine Brut muss in der Nähe sein.
Das Nest muss hier irgendwo in den Bäumen versteckt sein." Friko konnte zwar nichts erkennen, so sehr er sich auch anstrengte, aber die Schreie wurden immer lauter und heller. Und dann geschah etwas, was kaum zu glauben ist. Keine drei Meter von ihm entfernt, fällt plötzlich aus den Baumkronen über ihnen ein rundes, braunes Etwas, das noch schreit, dann aber verstummt. Friko rennt hin und traut seinen Augen nicht. Er muss Racker festhalten, der sich gleich auf das Etwas da am Boden stürzen will. Vor ihm auf dem Waldboden sitzt ein Adlerjunges. Ganz vorsichtig kommt er näher und sieht sich die Sache an. Das Junge scheint zu leben, aber es gibt keinen Ton mehr von sich, und der eine Flügel steht etwas seitlich ab, als wäre da etwas nicht in Ordnung. Als Friko noch näher kommt und es anfassen will, hüpft das Vogeljunge davon und schreit erbärmlich. Aber weit kommt es nicht. Friko hat es eingeholt und will den Flügel sich genauer ansehen.

Aber der Vogel hackt nach ihm: "Hör´ mal, ich will Dir nichts tun, bleib endlich ruhig und lass mich nach Deinem Flügel sehen", spricht der Junge auf den Vogel beruhigend ein. Vorsichtig greift er wieder nach dem Flügel, aber nur knapp kann er kurz darauf den Schnabelhieben des Tieres ausweichen. Nach kurzem Überlegen zieht Friko sein Hemd aus und wirft es dem Vogel über den Kopf. Dieser schreit zwar fürchterlich und auch von hoch oben kommt jetzt Antwort, aber ändern tut das nichts mehr. "Ich will Dir doch nur helfen", sagt Friko. Jetzt kann er sich den Flügel genauer ansehen. Der scheint gebrochen zu sein. Daraufhin nimmt Friko ein kleines Stöckchen und schient den Flügel. Mit einem Fetzen aus seiner Hose verbindet er die Schwinge. "So das wäre erledigt". Spricht Friko jetzt wieder auf den Vogel ein und zieht ihm das Hemd vom Kopf. "Aber was nun weiter. Deine Mutter kann Dich hier nicht holen oder füttern, und Du kannst nicht ins Nest zurück." Nach kurzem Nachdenken, kommt Friko zu dem Schluss: "Ich werde Dich mitnehmen. Aber so wirst Du ständig nach mir hacken, deshalb werde ich einen Käfig für Dich machen." Mit seinem Messer schneidet er sich einige Äste zurecht und bindet sie mit Streifen aus seinem Hemd zusammen. Als er fertig ist, wirft er noch einmal den Rest seines Hemdes über den Kopf des Vogels, um ihn in den Käfig zu bringen. Dann macht er sich auf den Weg. "Mutter wird schon krank vor Sorge um mich sein." Als Friko endlich in der Stadt ankommt, wartet Sarina schon vor der Tür: "Mein Junge, endlich, ich habe mir schon solche Sorgen gemacht. Wo bist Du nur gewesen?" "Mutter es tut mir Leid, ich wollte nicht so lange wegbleiben. Aber es ist viel geschehen. Ich erzähle Dir gleich alles." Damit zeigt er auf den Käfig und Racker, der brav hinter Friko her getrottet war. "Ich sehe mein Sohn, dass es viel zu berichten gibt, aber vorher denke ich solltest Du erst mal etwas essen. Du bist doch sicher sehr hungrig?" "Ja, ich sterbe vor Hunger, ich hatte nur ein paar Beeren zu essen."

Nachdem Friko gegessen und auch Racker gefressen hat, der Adler im Käfig immer noch so verängstigt ist, dass er die tote Maus, die Friko ihm in den Käfig gelegt hat, nicht angerührt hat, erzählt Friko seine Erlebnisse. Sarina hört ihm erstaunt zu: "Ich wusste immer schon, dass Du etwas besonderes bist. Aber nun lass uns schlafen gehen. Morgen ist die Hochzeit der Prinzessin und da wollen wir doch frisch und ausgeruht sein. Danach fahren wir wieder zurück zu unserem Häuschen am Waldrand." Am anderen Tag werden die beiden erst spät wach, und so müssen sie sich beeilen, dass sie fertig werden, um noch das grosse Ereignis mit zu erleben.

Auf dem grossen Platz vor dem Schloss ist schon eine Menge los.Die Leute aus der Stadt und Umgebung sind alle auf den Beinen und versuchen weit nach vorne zu kommen, um möglichst alles aus der Nähe zu sehen. Der Pfarrer steht schon bereit, man wartet nur noch auf das Brautpaar, den König und die Königin. Friko schiebt sich, da er gross und kräftig ist, noch ein bisschen weiter nach vorne und hat nun einen guten Blick auf das Geschehen. Da kommt auch schon das Brautpaar, dahinter der König und die Königin. Friko sieht sich die Königsfamilie genauer an: Der König ein grosser, kräftiger Mann mit dunklem Bart, aber guten Augen. Die Königin muss früher einmal eine sehr schöne Frau gewesen sein, sie ist nämlich trotz ihres Alters noch immer schön.
Die Prinzessin, eine junge Frau mit langen braunen Haaren wie ihre Mutter, aber mit einem Ton ins rötliche. Hohe Wangenknochen, dunkle, liebe Augen, kleine Stupsnase, eben ein verjüngtes Abbild ihrer Mutter. Die Zeremonie geht los und auf dem Platz ist es auf einmal mucksmäuschen still, denn jeder der Anwesenden will hören, was da vorne gesprochen wird. Friko lässt seine Blicke schweifen, und entdeckt halb verdeckt hinter der Königin ein junges Mädchen. Auch ihre Haare fallen lang über ihre Schultern, sind aber wesentlich dunkler als das Haar der Königin, fast schwarz. Als Merinda, so heisst die jüngere Tochter des Königs Alto, fühlt, dass sie angestarrt wird, dreht sie sich um, und wirft einen Blick über die Menge. Da die Hochzeitszeremonie auf einen erhöhten Podest statt findet, hat Merinda einen guten Blick und sieht bald in die blauen Augen von Friko. Als sie merkt wie gebannt sie diesen jungen Mann anstarrt, senkt sie leicht errötend den Blick, auch Friko ist ganz hingerissen von diesem Mädchen, sodass er nur mit halbem Ohr der Zeremonie lauscht. Als diese beendet ist, zerstreut sich das Volk und jeder geht seiner Wege. Friko geht auch zurück und hilft Sarina beim Aufzäumen der Kühe. Unterwegs, als sie auf dem Weg nach Hause sind, merkt die Alte, dass Friko sehr still ist und fragt ihn: "Machst Du Dir Sorgen um den Adler?" Denn dieser hatte die Maus in seinem Käfig noch immer nicht angerührt und sah schon sehr entkräftet aus. "Nein Mutter, ich denke über die Hochzeitszeremonie und das Mädchen nach, das ich gesehen habe." Die Alte daraufhin verwundert: "So Du zerbrichst Dir Deinen Kopf über ein Mädchen. Du hast Dich wohl verliebt?" Friko geht gar nicht auf die Frage ein und spricht abwesend: "So ein schönes Mädchen habe ich noch nie gesehen. Ich hoffe, ich kann sie irgendwann mal wieder sehen." "Nun in die Stadt müssen wir ja öfter mal, und dann siehst Du sie ja vielleicht wieder." Mit einem Blick auf den Vogel wechselt Sarina das Thema: "Aber im Moment solltest Du Dir wohl mehr Gedanken über den Adler machen. Sein Flügel wird heilen, nur wenn er nicht frisst, wird er eingehen." Bei diesen Worten lässt der Adler ein leises Gekrächze von sich hören. Das bringt Friko in die Wirklichkeit zurück. Er nimmt den Käfig und spricht zu dem Vogel: "Also es wäre besser, wenn Du endlich fressen würdest, etwas Besseres als Mäuse kann ich Dir leider nicht bieten."
Damit stellt er den Käfig zurück und verfällt wieder in Schweigen. Zuhause angekommen kommt ihm schon Schleckermaul zur Begrüssung entgegen. Und dann geht es auch schon wieder los. Racker fängt an zu Bellen, und das Reh, das Angst hat läuft in den Wald. Friko bindet Racker fest und holt das Reh zurück. "Du musst keine Angst haben vor Racker. Und Du lässt gefälligst Schleckermaul in Frieden." Damit wendet sich Friko an den Hund. "Die beiden werden sich schon aneinander gewöhnen", meint Sarina und geht in ihren Garten, um nach dem Rechten zu sehen. Am anderen Morgen, als Friko nach dem Vogel sieht, erlebt er eine Überraschung. Die tote Maus ist nämlich verschwunden. "Na war der Hunger doch endlich gross genug?" So spricht er zu dem Vogel. "Ich werde Dir noch ein bisschen Wasser holen und versuchen noch ein paar Mäuse zu fangen. Aber irgendwann musst Du lernen Deine Mahlzeiten selber zu suchen. Ich hoffe, auch Dein Flügel verheilt gut." Der Vogel ist jetzt nicht mehr so nervös und gewöhnt sich langsam an die ruhige Stimme von Friko. So ziehen wieder Wochen ins Land und es geschieht nichts Besonderes. Racker und Schleckermaul werden gute Freunde und der Adler wird immer grösser. Friko hat sich inzwischen einen Schutz aus Leder gemacht, den er überzieht, wenn er den Adler aus seinem Käfig holt, und dieser jetzt schon so zutraulich ist und auf den Arm von Friko hüpft

Sein Flügel ist soweit in Ordnung und er schlägt auch kräftig mit den Schwingen, aber er fliegt nicht. "Was soll ich nur machen Mutter, er will nicht fliegen, aber er kann doch nicht immer hier bleiben, er muss zurück in die Freiheit." Etwas verzweifelt sieht er Sarina an, und diese gibt ihm den Rat: "Vielleicht solltest Du auf einen Hügel steigen, da gibt es mehr Wind und es wird vielleicht leichter für ihn. Du musst bedenken, er ist noch nie geflogen, und seine Mutter, die es ihm beibringen könnte, ist nicht mehr da.""Du hast Recht. Ich werde einen Berg finden und es dort versuchen."Damit nimmt er den Adler auf seine geschützte Hand und läuft mit Racker und Schleckermaul, die ihm folgen, Richtung Hügel, der etwas links vom grossen Wald entfernt liegt. Er muss eine ganze Zeit lang laufen, und es wird schon wieder Abend als er angekommen ist. Als Friko dann oben am Berg steht, merkt er die frische Brise, die aufgekommen ist. "Hoffentlich klappt es jetzt", denkt Friko so bei sich.

Er hebt seinen Arm in die Höhe gegen den Wind und lässt den Adler den Wind spüren. Dieser spreizt die Flügel, fängt an die Schwingen auf und ab zu schlagen, und als eine heftige Bö kommt, wird er davon gerissen. Friko sieht wie der Raubvogel fast senkrecht nach unten stürzt und glaubt schon, dass er abgestürzt ist, aber da steigt er plötzlich höher und höher in den Himmel, der sich langsam rot färbt. Friko glaubt, dass sein Herz zerspringt, vor Freude darüber, das der Vogel endlich fliegt, auch darüber, dass er jetzt einen guten Freund verliert. Er streichelt Racker und Schleckermaul: "So ist das, er kehrt in sein Reich zurück, und wir müssen jetzt auch wieder nach Hause." Mit diesen Worten dreht er sich herum und steigt langsam den Berg herunter. Da hört er plötzlich über sich schrille Schreie und sieht, wie der Vogel wieder näher kommt. Er pfeift ihm kurz zu, um ihn noch mal Aufwiedersehen zu sagen und will weiter. Aber der Adler stösst herab und schreit wieder. "Was willst Du noch, Du bist frei, Du kannst jetzt fliegen wohin Du willst." Friko hebt die geschützte Hand, um zu winken zum Abschied. Und da ist der Adler schon herbei und lässt sich auf dieser nieder. "Na was ist nun los, glaubst Du ich werde Dich weiter durchfüttern. Du kannst mich gerne besuchen, wenn Du willst, aber Dein Fressen musst Du Dir schon selber suchen." Wie als hätte der Vogel verstanden, dreht er den Kopf, sieht Friko an, und stösst ein paar Zischlaute aus, um sich dann wieder in den Himmel zu schwingen. Friko ist glücklich: "Vielleicht sehen wir ihn ja doch hin und wieder, Freunde." So spricht er zu Racker und Schleckermaul. Als er wieder zu Hause ist, erzählt Friko alles Sarina. Diese wundert sich schon gar nicht mehr: "Ich sagte Dir ja schon mal, Du bist was Besonderes und Du hast ungewöhnliche Talente. Du wirst es noch weit bringen in Deinem Leben." Somit geht auch dieser denkwürdige Tag zu Ende. Am anderen Morgen, als Friko nach draussen kommt, erwartet ihn eine Überraschung. Auf dem Dach vom Haus von Sarina ist eine Art Kreuz angebracht. Dort war früher mal ein Wetterhahn angebracht, der aber durch einen Sturm abgeknickt und nie mehr angebracht wurde. Auf diesem Kreuz nun sitzt der Adler und schreit zur Begrüssung als er Friko sieht."Morgen Adler, schon so früh auf, hast Du Dir schon ein Frühstück gefangen?" Als der Adler sich abstösst und ein paar Mal über Friko kreist, holt der sich seinen Handschuh, und der Adler lässt sich darauf nieder. "Ich sehe schon,Du hast Deine Mahlzeit gehabt, aber ich muss noch Frühstücken, also flieg noch ein bisschen herum." Damit hebt Friko seinen Arm und der Adler fliegt wieder auf das Kreuz. Diese wird nun sein Lieblingsplatz: "Mutter wir haben einen neuen Wetterhahn", ruft er lachend Sarina zu.

Diese kommt aus dem Haus und sieht sich das an: "Solange er unsere Hühner in Frieden lässt, soll es mir Recht sein." So gehen die Jahre ins Land, und da Sarina immer älter und gebrechlicher wird, fährt Friko jetzt nur noch allein in die Stadt, um Besorgungen zu machen. Dabei sieht er auch öfters die Prinzessin Merinda. Aber beide sehen sich nur von Weiten und doch kommen sie sich mit dem Herzen ganz nah. Dann, es sind inzwischen 3 Jahre vergangen, stirbt Sarina. Auf dem Sterbebett nimmt sie Friko das Versprechen ab: "Verkauf die Kühe und Hühner, und sieh Dir die Welt an. Und wenn Du ein bisschen was von der Welt gesehen hast, und Deine Erfahrungen gesammelt hast, dann nimm´ Dir eine gute Frau und lebe glücklich und zufrieden bis an Dein Ende. Vergiss´ mich nicht, auch wenn ich nicht Deine leibliche Mutter bin, so habe ich Dich doch wie einen eigenen Sohn geliebt, und nun will ich Dir noch etwas verraten. Dort hinten in dem kleinen Kästchen auf dem Regal ist etwas für Dich. Hole es bitte für mich." Friko tut ihr den Gefallen.
Sarina spricht weiter: " Es enthält ein Medaillon, dass ein Bild von einem Mann und einer Frau zeigt. Ich glaube, dass sind Deine Eltern." "Du weisst wer meine richtigen Eltern waren?" "Nein", sagt Sarina, "ich habe Dich damals im Wald gefunden, Du warst ausgesetzt oder vielleicht entführt worden , und dann von den Entführern dort zurück gelassen. Ich weiss es nicht, aber vielleicht solltest Du auf die Suche gehen. Auf dem Bild sieht man im Hintergrund das grosse Wasser und ein Schiff. Hinten auf dem Medaillon steht eine Widmung: Meinem lieben Sohn Friko, einmal gehört Dir die Esmiralda. Ich nehme an, damit ist das Schiff gemeint." Damit drückte Sarina das Medaillon Friko in die Hand, dann schliesst sie die Augen und stirbt. "Ich habe Dich auch geliebt Mutter. Und ich werde tun, was Du mir gesagt hast." Friko beerdigt Sarina hinterm Haus und pflanzt einen Rosenstrauss auf ihrem Grab.
Dann nimmt er die Kühe, spannt sie vor den Wagen, lädt die Hühner und restlichen Habseligkeiten ein und fährt zur Stadt auf den Markt. Racker läuft hinterher und auch Schleckermaul folgt den beiden. Der Adler folgt majestätisch in den Lüften seinen Freunden und bewacht sie aus grösser Höhe. Vor der Stadt bindet Friko Schleckermaul an einen Baum, auf dem sich auch der Raubvogel niederlässt. Dann fährt er in die Stadt, verkauft alles und kauft sich für das Geld einen braven, alten Gaul. Mit dem Rest des Geldes nimmt er sich Proviant mit. Als er aus der Stadt reitet und zu seinen Freunden kommt, gibt es wieder einen Aufstand.
Das Pferd muss sich erst an den Hund gewöhnen. Schleckermaul wird von dem Pferd fast wie ein Fohlen angenommen. So geht es nun los Richtung Meer. Das Pferd wurde von seinem früheren Besitzer Morgan gerufen, und so behält Friko diesen Namen bei. Noch zu sagen wäre, dass der Raubvogel auf diesem Ritt seinen Namen bekam. Da er immer in einer grossen Höhe über ihm flog und unter sich alles im Auge hatte, sagte Friko einmal zu ihm hinauf in den Himmel: "Du thronst da oben wie Gorgo, der Riese, der alles andere unter sich sah, weil er so gross war. Deshalb werde ich dich von jetzt an Gorgo rufen, was hältst Du davon?" Mit diesen Worten stösst Friko seinen Schrei aus und zog sich seinen Handschuh über, und schon kam der Vogel herab. "Nun Gorgo, wie gefällt Dir der Name?" Bei diesen Worten sieht Friko den Adler an und dieser stösst Zischlaute wie zur Bestätigung aus. "Also schön, bleibt es bei dem Namen." Und so reiten sie weiter auf das grosse Wasser zu. Da dieser Weg aber weit und gefährlich ist erleben sie unterwegs noch viele Abenteuer. Als letztes wäre noch zu erzählen wie ein anderer Freund zu der Gruppe gestossen ist und wie sein Name lautet. Pegas kommt nun wie folgt zu den Freunden. Friko und seine Freunde kommen auf ihren Weg zum Meer durch tiefe dunkle Wälder, vorbei an Städten, durch blühende Felder und weite Steinwüsten.
Als sie wieder einmal in einer Stadt sind, Schleckermaul wird an einen Baum gebunden und Gorgo wacht in den Wipfeln des Baumes, und ihre Vorräte auffüllen, sieht Friko wie ein gut gekleideter Herr bei einem Kräuterhändler einiges an Pflanzen kaufen will. Friko denkt bei sich: "Meine Vorräte an Kräutern gehen auch zu Ende, ich sollte mir dort auch einiges kaufen, vielleicht kann ich später keine Heilkräuter dort draussen finden." Dabei geht er auf den Stand mit den Kräutern zu und bekommt mit wie der Gutgekleidete dem Händler erzählt: "Können Sie mir vielleicht helfen. Meine kleine Tochter liegt schon seit Tagen mit hohem Fieber im Bett und noch keiner konnte ihr helfen. Ich hatte schon den Apotheker und den Arzt geholt, aber die haben es mit ihren Pillen und Mixturen auch nicht geschafft. Der Händler entgegnet: "Es tut mir Leid mein Herr, ich verkaufe die Kräuter nur. Ich bin kein Arzt und auch kein Heilkundiger."
Da mischt sich Friko in das Gespräch: "Entschuldigen Sie, dass ich mich einmische, aber ich konnte Ihr Gespräch mit anhören. Wenn ich darf und Ihre Tochter sehen kann, werde ich versuchen Ihnen zu helfen. Ich verstehe etwas von der Heilkunst." Der reiche Kaufmann, denn der Herr mit der kranken Tochter hat einen Laden in dem man alles was man für Pferde, das Reiten usw. so braucht, dreht sich um und sprach: "Junger Mann, wenn Sie das tun, wäre ich Ihnen ewig dankbar. Kommen Sie, ich bringe Sie zu mir nach Hause." "Ich komme sehr gerne mit, aber ich möchte noch meinen Vorrat an Heilkräutern auffüllen.", entgegnete Friko.

Bei dem Händler ersteht er nun verschiedene Pflanzen und Kräuter, die er ständig bei sich hat und mit denen man einiges Heilen kann. Dann folgt er dem Kaufmann nach Hause. Unterwegs stellt sich der Mann vor: "Ich bin der Kaufmann Setas und wohne am Ende der Stadt, fast ausserhalb." "Mein Name ist Friko, und ich komme von sehr weit aus dem Land Kalondro. Mein Ziel ist das grosse Meer", entgegnet Friko. "Da haben Sie aber noch einen weiten Weg", antwortet Setas, und nach einiger Zeit stehen sie vor dem Haus des Kaufmanns.

Es ist ein sehr grosses und schönes Haus, bei dem man gleich merkt, dass hier reiche Leute wohnen. Setas bringt Friko zu seiner Tochter und erzählt seiner Frau, wie er Friko kennen gelernt hat. Friko geht zu dem Mädchen, spricht mit ihr und lächelt ihr mit seinen schönen Augen zu: "Es wird schon alles wieder gut werden Kleines." Das Mädchen sieht Friko an und lächelt leicht zurück: "Ich fühle mich so heiss und müde, kannst Du mir helfen?" Friko entgegnet: "Ich werde es versuchen." Nach dem er das Mädchen untersucht und ihr ein paar Fragen gestellt hat, geht er mit den Eltern aus dem Zimmer. Die Mutter fragt ihn: "Junger Mann, können Sie meinem Liebling wirklich helfen?" So fragt auch Setas. "Ich werde mein Bestes tun. Doch ich brauche noch ein paar Pflanzen und kenne mich nicht in der Gegend aus. Gibt es vielleicht ausserhalb der Stadt einen Fluss?" Der Kaufmann sieht Friko verwundert an und fragt: "Warum fragen Sie, Friko? Ja es gibt ausserhalb der Stadt einen kleinen Fluss, ich kann Sie hinführen." Friko lächelt dem Mann zu: "Die Pflanzen, die ich noch brauche, wachsen nur an Flüssen. Wenn Sie mich also hinbringen könnten. Aber vorher müssen wir noch bei meinen Freunden vorbei, die ausserhalb der Stadt auf mich warten." Sie machen sich gleich auf den Weg und der Kaufmann ist ein bisschen erstaunt als Friko Schleckermaul losbindet und dieser ihm nun folgt. Gorgo am Himmel nimmt Setas gar nicht war. Der Adler folgt in grosser Höhe seinen Freunden.Und nur Friko lässt einmal kurz seinen Blick zum Adler schweifen. "Sie haben sehr ungewöhnliche Reisebegleitung, junger Mann", wundert sich Setas. "Oh", freut sich Friko, "Schleckermaul fand ich als junges Kitz zu Hause in unserem Wald. Und er wäre umgekommen, hätte ich ihn nicht grossgezogen. Seine Mutter war von einem wilden Tier angefallen und getötet worden." Daraufhin reiten sie zum Fluss und Friko sammelt die Kräuter.

"Wir brauchen nicht mehr durch die ganze Stadt, wir reiten einen Bogen und kommen dann von der anderen Seite zurück." Als sie wieder im Haus des Kaufmanns sind, macht sich Friko sogleich an die Arbeit. "Es wird einige Tage dauern bis das Mittel Wirkung zeigt", erklärt er den Eltern. Daraufhin entgegnet der Mann: "Sie können selbstverständlich solange hier bleiben. Für Essen und Trinken wird bestens gesorgt. Und auch Ihre Tiere bekommen Futter und Wasser." "Das ist sehr grosszügig von Ihnen, ich nehme sehr gerne an." Daraufhin versorgt er das Mädchen: Zuerst macht er aus den Kräutern Umschläge und dann auch einen Sud, den er gekocht hat.

Den muss die Kleine dann trinken. Das macht Friko mehrmals am Tag und schon nach 2 Tagen zeigt sich eine leichte Besserung. Am dritten Tag hat Riva, so heisst das Mädchen, schon wieder Hunger und nach fünf Tagen sitzt sie im Bett und will schon wieder aufstehen. Setas und seine Frau sind überglücklich. Friko gibt den Eltern noch etwas Sud für Riva: "Das muss sie noch drei Tage lang trinken, und dann wird sie wieder ganz das freche Mädchen sein." Verschmitzt zwinkert Friko Riva zu, die beiden sind nämlich in den paar Tagen gute Freunde geworden. Dann will sich Friko verabschieden und weiter ziehen. Aber der Kaufmann lässt ihn nur ungern gehen, da er ihm so dankbar ist: "Hören Sie junger Mann, ich und meine Frau können Ihnen gar nicht genug danken. Deshalb möchte ich Ihnen etwas schenken. Ich habe gesehen, dass Sie ohne Sattel reiten, deshalb möchte ich Ihnen das hier schenken."

Damit zeigt er auf einen wunderschönen handgefertigten Sattel mit schöner Stickerei und einer bunten Decke und feinem aus Leder gearbeitetem Zaumzeug. Friko ist begeistert, aber er sagt: "Das kann ich nicht annehmen, der Sattel ist viel zu teuer, und da Sie mich so liebevoll aufgenommen haben ist das Dank genug." Aber der Kaufmann besteht darauf: "Sie haben meine kleine Tochter gerettet, und da ist dieses Geschenk noch viel zu wenig. Also nehmen Sie es an, und wenn Sie wieder einmal hier vorbei kommen, sind Sie uns herzlich willkommen." Friko sieht, dass es Setas Ernst meint, und so bedankt er sich: "Vielen Dank, er ist wirklich wunderschön, und ich werde Sie alle gerne in Erinnerung behalten." Damit nimmt er alles mit zu Morgan, seinem Pferd und sattelt ihn.
Bevor er aufsteigt, kommt Riva zu ihm gelaufen und umarmt ihn stürmisch: "Vielen Dank für alles. Und wenn ich grösser wäre, würde ich Dich heiraten." Dabei blickt sie ihn schelmisch an: "Du hast wunderschöne Augen, Friko. Und ich hoffe, Du kommst wieder mal bei uns vorbei." Damit drückt sie ihm einen Kuss auf die Wange und ist im Haus verschwunden. Friko schwingt sich auf Morgan, winkt den Eltern noch einmal zu und reitet Richtung Fluss. Nach einigen Tagen kommt er in ein grosses grünes Tal und legt dort im Schatten von Bäumen eine Pause ein.

Plötzlich hört er ein Rumoren, dann ein lautes Grummeln und dann war es ein Getrommel und Getöse, bis er die Herde wilder Pferde sieht, die an ihm vorbei jagt. Zum Schluss folgt der Herde in einem Abstand von einigen Metern ein wunderschöner Hengst, gelbbraun, fast so hell wie Sand, mit einer weissen Mähne und weissem Schweif. Der hob den schönen Kopf und zog schnuppernd die Luft ein. Dann trompetet er los und jagt die Herde weiter. Friko denkt bei sich: "Was für ein edles Tier." Dann packt er seine Sachen zusammen und folgt der Herde in derselben Richtung. Bis er in einen Talkessel kommt und dort die Wildpferdfänger trifft.

Die Wildfänger haben ein grosses Lager und machen sich auf den Pferden zu folgen. Als Friko dort eintrifft wird er von ihnen begrüsst: "Hallo junger Freund, wohin des Weges?" "Ich will zum grossen Wasser", entgegnet Friko. "Ich habe gerade die Herde schöner Wildpferde gesehen. Wollt´ Ihr sie fangen?"
Einer der Männer antwortet: "Wir sind eigentlich nur hinter dem Leithengst, dem Gelbbraunen her. Aber wenn es sich ergibt, fangen wir auch noch ein paar andere Tiere." "Ja", entgegnet Friko, "der Gelbbraune ist ein sehr schönes Tier, aber mir genügt Morgan. Ich muss weiter und viel Glück auf der Jagd", damit verabschiedet sich Friko und reitet weiter. Die Pferdejäger wundern sich nur, dass Friko ein Reh folgt, denken sich aber nichts weiter dabei.

Als Friko aus dem Tal ist, liegt wieder freies Feld vor ihm, mit ein paar Büschen, vereinzelt Bäumen und ein paar Felsen. Friko sieht dann die Herde Mustangs zwischen einigen Felsen grasen. Auf einem höher gelegenen Plateau steht über allem wachend der Hengst Pegas. Friko hat ihm insgeheim diesen Namen gegeben, weil er sich an das fliegende Pferd Pegasus erinnert, nur dass dieses Pferd keine Flügel hat. Plötzlich erscheint auf dem Plateau noch ein anderer Hengst, steigt auf beide Hinterbeine wiehert wie zum Angriff und geht auf den Gelbbraunen los. Dieser fängt ebenfalls an zu wiehern und nimmt die Herausforderung an. Friko beobachtet diesen Kampf fasziniert. Die beiden Pferde beissen, und schlagen mit ihrem Hufen aufeinander ein. Das es weithin schallt. Einmal scheint der Gelbbraune die Oberhand zu gewinnen, dann wieder der Andere.
Das geht so einige Zeit lang hin und her, bis der Gelbbraune etwas zu weit an den Rand des Plateaus gerät. Friko hält den Atem an, er glaubt schon das Pegas herunter stürzt. Dieser kann sich noch mal fangen, und greift wieder an. Es scheint als wolle der Angreifer einen Rückzieher machen und Pegas wiehert schon triumphierend, da stösst der andere Hengst noch einmal auf Pegas ein, dass dieser einen unbedachten Schritt macht und jetzt wirklich am Rand des Plateaus hängt. Er verliert die Balance und stürzt herunter. Friko, der das Ganze beobachtet hat, stösst erschrocken einen Schrei aus. Das Pferd, das nun einsam auf dem Plateau steht, wiehert siegesbewusst und auch die Herde erkennt den neuen Leithengst an. Friko aber eilt, gefolgt von Racker und Schleckermaul, auf den Felsen zu, umrundet ihn und sieht auf der anderen Seite Pegas zwischen Steinen und Geröll liegen.
Als Friko näher kommt wiehert Pegas ängstlich auf und versucht auf die Beine zu kommen, schafft es aber nicht. Friko reitet noch näher heran, steigt dann von Morgan seinem Hengst und geht vorsichtig auf Pegas zu. Dabei spricht er beruhigend auf den Hengst ein: "Hör mal, ich will Dir ja nichts tun. Lass mich nur mal nach Deinen Verletzungen schauen." Aber aus Angst getrieben schafft es Pegas wieder auf die Beine. Er fängt aber gleich wieder schrill an zu wiehern, denn das rechte Hinterbein kann er nicht belasten. Friko sieht, dass sich eine sehr lange Wunde über das Fell zieht und stark blutet. Friko spricht weiter auf den Hengst ein, dieser aber weicht auf drei Beinen immer weiter zurück bis er an der Felswand steht.

Als Friko noch weiter auf den Hengst zukommt, steigt Pegas zur Abwehr auf die Hinterbeine, knickt aber sofort wieder ein. Friko sagt laut: "Also so hat das keinen Sinn, ich will Dir doch nur helfen, dabei holt er ein Lasso von Morgans Sattel und wirft es Pegas über den Kopf. Das andere Ende bindet er an den Sattel von seinem Pferd und Morgan zieht das Seil nun straff an. "So jetzt kannst Du mir nichts mehr tun mit Deinen Hufen. Ich werde nach Deiner Wunde sehen und dann bist Du wieder frei. Als sich Friko jetzt wieder Pegas nähert, wiehert dieser noch bedrohlich auf, kann sich aber kaum bewegen. Friko sieht sich die Wunde an und merkt wie das Pferd noch vor Angst am ganzen Leib zittert, aber sich in sein Schicksal ergeben hat. "Du brauchst wirklich keine Angst zu haben", spricht Friko mit dem Hengst, um ihn zu beruhigen, "ich schaue nach Deiner Wunde und alles wird gut." Dann nimmt er einige Heilkräuter aus seinem Vorrat und legt es dem Pferd auf die Wunde. Das Pferd scheint zu merken, dass man ihm nur helfen will und wird langsam ruhiger. Da hier genügend Gras für die Pferde und Schleckermaul ist, schlägt Friko sein Lager auf und macht ein kleines Feuer, um noch Heilkräuter zu kochen und für sich eine Mahlzeit. "Es wird noch ein paar Tage dauern bis wir weiter können", so spricht er zu seinen Freunden. Friko nimmt Morgan den Sattel und Zaumzeug ab, und lässt ihn grasen.


Gorgo hat es sich auf einem Baum in der Nähe bequem gemacht und Schleckermaul hat sich schon hingelegt und scheint zu schlafen. Als es dann immer dunkler wird, legt sich auch Friko zum Schlafen und wie immer kommt Racker und kuschelt sich an ihn. So vergehen einige Tage in denen sich Friko um Pegas kümmert, ihm immer wieder Unschläge und Verbände mit seinen Heilkräutern macht. Als nach einer Woche Pegas wieder auf allen Vieren fest stehen kann, meint Friko zu ihm: "So, jetzt ist alles wieder in Ordnung. Du kannst Dir wieder Deine Herde suchen

Ich muss weiter und wünsche Dir viel Glück. Und pass´ das nächste Mal besser auf Dich auf." Damit streichelte er noch mal den schön geschwungenen Hals von Pegas, der sich das in der Zwischenzeit ruhig gefallen lässt. Friko sattelt Morgan, sitzt auf, winkt noch mal Pegas zu und reitet gefolgt von Schleckermaul und Racker weiter Richtung Meer.
Nach einiger Zeit hört Friko wie Gorgo immer wieder Schreie ausstößt. Da Friko inzwischen Gorgo kennt, weisser, dass die Schreie entweder Warnung oder Aufmerksamkeit bedeuten. Deshalb schaut er sich genauer um. Und als er einen Blick zurück wirft, stellt Friko fest, dass Pegas ihm in einigen Abstand folgt. Daraufhin hält Friko an und wartet. Als Pegas näher kommt, meint er laut zu ihm: "Na, was willst Du noch? Ich dachte Du suchst Deine Herde." Bei diesen Worten ist Pegas immer näher gekommen und steht jetzt vor Friko. Dieser streichelt Pegas über den Hals und fragt: "Willst Du etwa bei uns bleiben? Ich habe schon ein sehr gutes Pferd, ausserdem bist Du die Freiheit gewöhnt." Als Friko so zu dem Hengst spricht, stupst Pegas ihn mit seinem Maul an und wiehert leise. Da lacht Friko: "Was willst Du denn, soll ich Dich vielleicht reiten? Na gut versuchen wir es einmal." Damit schwingt er sich auf den Rücken von Pegas, darauf gefasst, sofort wieder abgeworfen zu werden. Aber Pegas reitet ganz langsam los. Erst als Friko laut ruft und ihn anfeuert wird Pegas schneller.
So galoppieren sie einige Zeit über die Ebene dahin, bis Friko wieder umdreht und zurück zu seinen Freunden reitet. Die warten noch an derselben Stelle auf ihn. "Also Freunde, wenn Pegas es will, kann er mit uns kommen", verkündet er den anderen. "Aber dann, Pegas, kannst Du auch den Sattel tragen, damit Morgan nicht alles schleppen muss." Mit diesen Worten geht er zu Morgan, nimmt ihm den Sattel ab und legt ihn auf Pegas Rücken. Dieser wird etwas unruhig, beruhigt sich aber schnell, als Friko auf ihn einredet. Morgan braucht jetzt nur noch die Wasserschläuche und den Proviant zu tragen. Nun schwingt sich Friko auf Pegas und reitet los. Racker, Schleckermaul und Morgan folgen ihnen.
Und am blauen Himmel zieht Gorgo seine Kreise und stößt seine Schreie aus. Von nun an hat Friko noch einen Freund mehr. Und wo immer er mit seinen unglaublichen Gefährten auftaucht, wird er der Prinz der Wildnis genannt. Und mit seinen Freunden erlebt er einige Abenteuer.

Aber das ist ein anderes Märchen...........