Märchen, Geschichten, Erzählungen
Die Tatzenbande im Drachenland - Teil 2

Was war inzwischen mit Okami geschehen?
Als er merkte, dass es kein zurück mehr zu seinen Freunden gab, sprach er zu sich selbst: "Meine Freunde werden mich sicher suchen, also darf ich mich nicht zu weit von dieser Stelle wegbewegen. Ich werde sie kennzeichnen, und mich ein bisschen in der Gegend umsehen. Bin gespannt wo ich hierhin geraten bin. Ich sollte mir aber vielleicht auch einen Unterschlupf und Versteck suchen, man weiß ja nie, welche merkwürdigen und gefährliche Wesen hier leben."

Und so suchte sich Okami eine Höhle, die durch Wind und Wetter, und wahrscheinlich Regen ausgewaschen war. Sie lag etwas geschützt zwischen Bäumen und Büschen und sah verlassen aus. Außerdem war sie nicht sehr weit von der Stelle entfernt, an der Okami hier in dieser Welt angekommen war. Als er sich die Stelle und Umgebung genau eingeprägt hatte machte er sich auf den Weg die nähere Umgebung zu erkunden. Diese Welt schien sich in nichts von seiner Welt zu unterscheiden. Auch hier gab es eine Sonne, den Himmel, es gab Büsche und Bäume. Er sah sogar Blumen und Gesträuch, das sich in nichts besonders unterschied von der Wildnis, aus der er gerade kam. Also lief er immer weiter, aber trotzdem immer darauf bedacht, seinen Weg zu markieren, um später wieder zurückzufinden. So vergingen einige Stunden, bis Okami durstig wurde und sich eine geeignete Wasserstelle suchte. Er näherte sich vorsichtig einem kleinen See, und suchte Deckung hinter kleinen Sträuchern und hohem Gras. Als er an das Wasser kam versuchte er etwas davon, da es nicht anderes schmeckte trank er ausgiebig. Dann merkte Okami, dass es langsam dunkel wurde, und so machte er sich auf den Weg zurück zu seinem Ausgangspunkt und seiner Höhle.
Dort verschwand er und legte sich zum Schlafen. Morgen wollte er in die andere Richtung gehen, um zu sehen, ob es da einen Ausweg gab oder seine Freunde inzwischen eingetroffen wären.
In dieser Nacht träumte Okami von seltsamen großen Wesen, sie versuchten mit ihm zu reden, aber er verstand sie nicht. Bei jedem Wort spukten sie außerdem Feuer, sodass er auch noch in einiger Entfernung Deckung suchen musste. Dann erschienen ihm auch seine Freunde, die anscheinend aus Furcht laut anfingen zu schreien, aber halt, dieser Schrei hatte er doch auch in der Nacht gehört, als er in den Nebel gelaufen war. Und da dieser Schrei so durchdringend war, fuhr Okami aus seinem Schlaf hoch. Er horchte, und da wieder dieser seltsame Gesang, also hatte er dieses Geheule nicht geträumt. Es musste Jemand oder Etwas in der Nähe sein, was solche unheimlichen Töne von sich gab. Also stand er auf und verließ die Höhle, er wollte nachsehen, ob irgendjemand in der Gegend war. Aber so sehr er auch suchte, er fand nichts. Hatte er doch nur geträumt, oder war dieses Wesen doch weiter entfernt als er angenommen hatte?
Enttäuscht und ratlos ging er zurück in seine Höhle. Er legte sich wieder auf seine Vorderpfoten und war augenblicklich eingeschlafen.
Am anderen Morgen lief er zuerst zum See, um seinen Durst zu stillen. Dann hörte er ein anderes Geräusch, und merkte, dass er Hunger hatte, seine Magen knurrte entsetzlich. Also suchte er sich ein paar Wurzeln und Beeren und hoffte, dass diese essbar waren. Als er so beim Graben nach Wurzeln war, sah er aus einem Erdloch ein kleines neugieriges Ding lugen. "Wer bist Du denn?", fragte Okami zwischen zwei Bissen.
Das Erdmännchen war so erschrocken angesprochen zu werden, dass es wie zur Salzsäure erstarrt stehen blieb. Okami lachte und sagte: "Keine Angst, ich werde Dich nicht Fressen, Du stehst nicht auf meinem Speiseplan. Mich nennt man Okami und wie heißt Du?" Immer noch etwas ängstlich antwortete das Tier: "Hier in der Gegend muss man vorsichtig sein, mit wem man sich einlässt. Es ist sehr gefährlich, aber Du scheinst wirklich nichts von mir zu wollen, also denke ich, dass ich mit Dir sprechen kann." "Ja, keine Sorge, ich fresse kein Fleisch, wenn dass auch die Ausnahme ist. Aber könntest Du mir nun sagen wie Du heißt, und wo bin ich hier?" Okami hatte sich auf seine Hinterbeine niedergelassen und sah erwartungsvoll das Erdhörnchen an. "Mein Name ist Peckinpah, und Du bist im Land Dnalnehcard." "Was oder wer ist Dnalnehcard?" Peckinpah sah Okami merkwürdig an: "Du bist wohl nicht von hier? Sonst wüsstest Du, dass hier ist das Land der Drachen, obwohl ich persönlich noch keinen gesehen habe. Aber das ist auch besser so, mir reicht es schon, wenn ich hin und wieder ihr Gekreische höre." Okami neigte wissend seinen Kopf: "Jetzt verstehe ich, diese merkwürdigen Töne, die ich auch gestern Nacht wieder gehört habe, das sind die Drachen. Aber ich dachte immer, es gibt keine Drachen.
Sehr seltsam, aber da ich durch diesen ungewöhnlichen Nebel gekommen bin, nehme ich an, das hier ist eine andere Welt." Peckinpah stottert vor sich hin: "Du kommst aus dem Nebel? Von dort ist noch nie jemand gekommen, und ich lebe schon sehr lange hier." Okami antwortet: "Ja, von dort aus dem Nebel komme ich. Und ich hoffe, meine Freunde werden auch noch kommen, denn soweit ich sie kenne, werden sie mich suchen." "Das ist sehr ungewöhnlich meinst Du. Na, ich nenne das unmöglich. Es ist noch nie jemand hier her gekommen und jetzt sollen gleich einige Deiner Sorte zu uns herein kommen." Peckinpah schüttelte nur immer wieder seinen kleinen Kopf. "Vielleicht erzählst Du mir einfach alles, was Du weißt von diesem Land, das wird mir sicher helfen", bat Okami den Kleinen. Dieser war nur allzu bereit, er hatte nicht sehr oft Gelegenheit sich mit anderen Tieren zu unterhalten. "Es gibt in diesem Land Drachen, dass sind große, hässliche Tiere, die Feuer speien."
Okami unterbricht ihn: "Feuerspeien, dass kommt mir sehr bekannt vor, aber warum nur habe ich davon geträumt? Sogar in unserer Welt habe ich schon von diesen Wesen geträumt und sogar geglaubt ihre Schreie zu hören." Peckinpah reißt seinen Mund auf: "Du hast von ihnen geträumt? Das wird immer seltsamer und unheimlicher. Aber vielleicht sollte ich jetzt in meiner Geschichte fortfahren." "Bitte, erzähle nur weiter", forderte Okami ihn auf. "Also in diesem Land, wie gesagt, gibt es Drachen. Und es gibt Ritter, das sind Zweibeiner, die sich mit schweren Panzer verkleiden, auf ein Pferd steigen und mit großen Speeren versuchen, die Drachen zu töten. Ich habe schon vieler dieser Ritter kommen sehen, aber die meisten sind gestorben bei dem Versuch die Drachen zu töten. Allerdings wurden auch schon Drachen getötet, und dann heulen die Anderen durch den ganzen Wald."
"Was haben die Drachen denn getan, dass sie gejagt werden?" Okami konnte sich diese Zwischenfrage nicht verkneifen. "Das weiß ich doch nicht. Ich habe weder mit den Zweibeinern noch mit den Drachen jemals gesprochen, also konnte ich sie auch nicht fragen, warum dies oder das geschieht." Peckinpah ist ein wenig beleidigt

"Entschuldige, Peckinpah, ich wollte Dich nicht verärgern. Aber ich werde nie verstehen, warum manche Lebewesen mit Anderen nicht auskommen können und sich immer bekriegen müssen." "Vielleicht hast Du ja Recht, aber hier ist das nun mal so", lenkte Peckinpah ein. "Vielen Dank für die Auskunft, ich werde mich wieder auf den Weg zu meiner Höhle machen. Hoffentlich sind meine Freunde schon eingetroffen, sonst muss ich weiter nach ihnen suchen. Wir werden uns in der nächsten Zeit bestimmt noch öfter sehen, da ich ja zum Trinken hier immer vorbei muss." Okami senkte zum Gruß sein Haupt und trottete zurück. Peckinpah rief ihm noch ein Aufwiedersehen hinterher und verschwand wieder in seinem Erdbau. Als nun Okami zu seiner Höhle zurückkam, überlegte er sich zunächst einmal, was er als nächstes tun sollte. Er war nun schon seid 2 Tagen in diesem seltsamen Land und hatte seine Freunde immer noch nicht gefunden. "Vielleicht sind sie ja auch noch gar nicht hier angekommen", sprach er zu sich selbst. "Ich werde jetzt erst einmal ein Nickerchen halten und dann noch mal in der anderen Richtung suchen." Damit legte er sich auf seine Vorderpfoten und war augenblicklich eingeschlafen.I