Märchen, Geschichten, Erzählungen
Am anderen Morgen stärkten sich erst einmal alle wieder, aber bevor Kuroi anfangen konnte seine und die Geschichte von Yoakes Familie zu erzählen, meinte Yoake: "Entschuldige Vater, dass ich Dich unterbreche, aber vielleicht sollte ich meinen Freunden erst einmal unsere Familie vorstellen." "Yoake hat Recht", mischt sich da Iro ein, "wir erzählen und erzählen und die Höflichkeit lassen wir dabei ganz außer acht, uns alle vorzustellen." "Ja ist schon gut. Also Yoake, wie wäre es, willst Du Deine Verwandten Deinen Freunden vorstellen?" So wendet sich Kuroi an seine Tochter. "Ich werde es versuchen", spricht Yoake. "Also das sind Kuma, der Bär; Neko, die Katze und Kuma, der Wolf.
Sie haben mich befreit aus der Gefangenschaft des bösen Kaibutsu." Damit zeigte sie auf die drei von der Tatzenbande. Alle Drei verneigten sich und Neko ergriff das Wort: "Es freut uns Euch kennen zu lernen und ich hoffe, wir werden ebenfalls gute Freunde werden, so wie wir die Freunde Eurer Tochter sind. Wir haben viel gemeinsam erlebt und sind froh darüber, dass sie nun endlich ihre Familie wiedergefunden hat." Kuroi antwortete im Namen seiner Herde: "Auch wir sind glücklich unsere Tochter wieder zu haben und danken Euch für Eure Hilfe. Wir werden bestimmt gute Freunde werden. Aber nun Tochter solltest Du Deine anderen Verwandten vorstellen." Mit diesen Worten wandte er sich wieder an Yoake. Und diese ergriff das Wort: "Gut, ich werde es versuchen. Also da ist meine
Tante Yarikata. Mein Onkel Soryo Sabi,
die beste Freundin meiner Mutter
Senkusha mein Großvater
und dann natürlich meine Großmutter Kiiroi.
Von ihr habe ich auch immer Gutenachtgeschichten erzählt bekommen. Das scheint überall dasselbe zu sein." "Richtig", mischt sich da wieder einmal Kuroi ein, "überall scheinen die Großmütter ihren Enkel die Geschichten zu erzählen, bei mir war es genauso."
Auch Neko ergreift das Wort: "Da ich bei Menschen aufgewachsen bin kann ich dazu nichts sagen, aber die Tochter meiner Menschen bekam von ihrer Großmutter, wenn diese zu Besuch war, ebenfalls Märchen erzählt." Damit fährt Yoake fort: "Da ist noch meine beste Freundin Tanoshimi
und meine kleine Schwester Shippo.
Aber diese ist ja gar nicht mehr so klein." Dann sieht sie ihren Vater an, und dieser meint: "Du hast noch Deine Cousins vergessen, Kaji und Fushu.
Und außerdem gibt es da noch einen Frechdachs, genannt Namaikina. Aber den kannst Du nicht mehr kennen, er wurde erst geboren als Du schon in Gefangenschaft warst."
"Ja, das stimmt, meine Cousins hätte ich fast vergessen, aber ich habe Euch alle auch schon so lange nicht mehr gesehen. Ich hoffe, wir haben jetzt genügend Zeit, um uns alles erzählen zu können." "Ja, das hoffe ich auch", sagt da ihre Mutter. Und wieder ergreift Kuroi das Wort: "Nachdem wir uns nun alle vorgestellt haben, sollten wir noch etwas fressen und trinken und können dann weiter mit den Geschichten erzählen."
"Gute Idee", brummt da Kuma, "ich habe nämlich riesigen Hunger und Durst." "Ach ja, der arme Kuma. Er hat immer Hunger und Durst." Spricht da wieder Yoake. "Wir sollten uns beeilen mit dem Fressen und dann können wir wieder die Rekishi hören." Gesagt getan, alle fraßen erst einmal und tranken von dem guten Wasser. Danach setzten oder legten sich alle zusammen und Kuroi fing an zu berichten, wie es der Herde ergangen war, nachdem Yoake weg war: "Es war eine schlimme Zeit. Die Pferdejäger wurden immer zahlreicher und gefährlicher, deshalb sind auch irgendwann immer öfters andere Herden zu uns gestoßen, weil die eigene Herde so verkleinert wurde, dass man von einer Herde nicht mehr reden kann.
Deshalb seht Ihr auch sehr viele fremde Hengste und ihre Stuten. Wir zogen dann also immer weiter und flohen tiefer in die Berge. Dort war es dann im Winter besonders hart, weil wir fast nichts zu fressen fanden. Viele von den schwächeren Tieren sind dann auch gestorben oder erfroren. Und so ging es vielen anderen Herden. Also kamen immer wieder dezimierte Pferdeherden auf mich zu und baten mich bei uns aufgenommen zu werden. Die meisten Gruppen bestanden nur noch aus vier oder fünf Tieren, und eine solch kleine Gruppe ist schon gar nicht fähig zu überleben. Deshalb ist es auch im Moment eine solche Ausnahme, dass wir weit über dreißig Tiere sind. Aber was sollte ich machen, ich konnte sie doch nicht wegjagen. Außerdem müssen wir doch in solch schweren Zeiten zusammen stehen. Wir wanderten also immer weiter und versuchten den Jägern aus dem Weg zu gehen.
So trafen wir auch auf andere Tiere, wie Hirsche, Bisons, Füchse, Biber und selbst Stinktiere, die flohen.
Wir erfuhren von ihnen, dass sie gejagt wurden, entweder wegen des Fells oder wegen des Fleisches, was die Menschen essen. Nun ja, am Anfang dachten wir noch wir würden Dich finden Yoake, du warst noch jung und könntest vielleicht vor den Menschen fliehen und zu uns stoßen.
Aber irgendwann ward Ihr verschwunden und so machten wir uns auf den Weg und trieben rastlos durch die Gegenden." Mit diesen Worten endete der Bericht von Kuroi. Dann waren alle erst einmal still und hingen ihren Gedanken nach. Bis endlich Kuma das Wort ergriff: "Ja, es geht schon manchmal schlimm zu, aber irgendwie, sollten wir jetzt nicht traurig sein, sondern glücklich, dass es uns so gut geht, wir alle so viel erlebt haben, und wir uns alle wieder gefunden haben. Außerdem merke ich gerade, dass das Amulett des Geschichtenerzählers Tekeshi Maranga zu brennen anfängt, es wird richtig heiß. Vielleicht sollten wir ihn rufen, und dann kann er uns wieder einmal eine schöne Geschichte erzählen." Kuroi, der sehr neugierig war kam etwas näher, um sich das Amulett genauer zu betrachten: "Yoake hat ja schon davon berichtet, aber wie funktioniert nun das Amulett?"
Kuma antwortet ihm: "Ich rufe einfach den Namen von Tekeshi Maranga und er erscheint in seiner Zauberkugel. Manchmal erscheint er auch von alleine." Nun an alle anderen gewand, fragt Kuma: "Was haltet Ihr alle davon? Soll ich ihn nun rufen und wir lassen uns eine schöne Rekishi erzählen?" Okami knurrt nur etwas vor sich hin, und selbst Neko schnurrt nur zufrieden. So sieht Kuma die Pferde erwartungsvoll an. Diese wissen nicht so recht, was sie davon halten sollen und sehen sich nur fragend an.
Da ergreift Yoake das Wort: "Also ich finde wir sollten uns ein schönes Märchen erzählen lassen. Er kann wirklich gute Geschichten erzählen und ihr habt doch auch immer Großmutter gelauscht, wenn sie anfing und erzählte." Damit war die Sache beschlossen und weil es auch keinen weiteren Widerspruch gab, rief Kuma nach dem Erzähler Tekeshi Maranga. Alle Augen schauten gespannt auf das Amulett und Kuma, aber es geschah einfach nichts, weder trat die Mahotama noch der Märchenerzähler in Erscheinung. "Das ist aber seltsam", knurrt da Kuma, "sonst erscheint doch immer die Kugel." "Ja", antwortet da auch wieder Neko", das ist wirklich seltsam. Aber vielleicht weiß er im Moment keine Märchen oder ist anders wo beschäftigt."
In der Zwischenzeit hat sich aus der hinteren Herde ein schon etwas älteres Pferd heraus getraut und ist nach vorne in die Mitte des etwas größeren Kreises getrabt. Kuroi stellt die alte Stute vor: "Das ist Kasshoku." "Entschuldigt, das ich mich einmische, aber wenn Ihr wollt, und Euer Geschichtenerzähler nicht will oder kann, werde ich Euch ein Märchen erzählen." "Aber, das ist ja eine ausgezeichnete Idee", schnurrt da Neko. "Vielleicht sollten wir uns gegenseitig ein bisschen was erzählen. Es gibt bestimmt noch viele in Deiner jetzigen Herde, Kuroi, die Märchen und Geschichten kennen. Und wenn wir hier schon so schön beisammen sind, dann lasst uns doch gegenseitig etwas erzählen." "Das ist eine gute Idee", wiehert Kuroi, "warum sollten wir uns nicht gegenseitig etwas berichten. Also dann fang an Kasshoku." Und damit wandte er sich wieder an das braune Pferd. Und dieses begann nun zu erzählen:
Das Märchen von den magischen Rosen